Genscher

25 Jahre Mauerfall

Am Abend des 30. September 1989 verkündet Außenminister Hans-Dietrich Genscher vor 6000 Flüchtlingen in Prager Botschaft, dass die DDR ihre Ausreise genehmigt hat. Sie reisen in versiegelten Sonderzügen durch die DDR in die BRD. In Interviews erinnert sich der FDP-Ehrenvorsitzende an die bewegten Zeiten, die im Mauerfall mündeten.

So erzählt er im Interview mit ZDF-Chefredakteur Peter Frey, wie sich der Prozess der deutsch-deutschen Einheit tatsächlich abgespielt hat. Und in der "Passauer Neuen Presse" erinnert er sich an den Moment, als er erkannt hat, dass die historische Chance besteht, die Deutsche Einheit zu erreichen.

 

Deutsche Einheit ist eine historische Notwendigkeit

Zum 25. Jahrestag des glücklichen Endes der Prager Botschaftsbesetzung durch DDR-Flüchtlinge sprach Hans-Dietrich Genscher als "Zeuge des Jahrhunderts" mit ZDF-Chefredakteur Peter Frey. Einen Punkt räumte er dabei aus. Er widerspricht der gängigen Darstellung, Frankreich sei im deutsch-deutschen Einigungsprozess der schwierigste Partner gewesen: "Das ist eine Missinterpretation. Ich bin am 29. November '89 in Paris gewesen, und da wurde die Frage gestellt, wie steht Frankreich zur deutschen Einheit? Da hat Mitterrand zu mir gesagt, die deutsche Einheit ist eine historische Notwendigkeit, und deshalb steht Frankreich in dieser Frage, wie immer in solchen Fragen, an der Seite Deutschlands."

Im Interview mit der "Passauer Neuen Presse" erzählt der langjährige Bundesaußenminister, dass er schon 1986 die Chance für die Deutsche Einheit gesehen hat: "Dass die Chance besteht, war mir klar, nachdem ich zum ersten Mal im Sommer 1986 zu einem mehrstündigen Gespräch mit Gorbatschow im Kreml zusammengetroffen war. Ich sagte damals zu meinem Mitarbeiter: Wenn der das alles macht - gemeint war Gorbatschow -, was er uns heute hier gesagt hat, dann haben wir zum ersten Mal eine Chance, unser großes Ziel der Einheit zu verwirklichen."

Gorbatschows Weg danach habe diesen Eindruck verfestigt. "Hier lag auch die Gefahr des großen historischen Irrtums, dem viele im Westen erlegen waren, die Gorbatschow total verkannten und damit im Begriff waren, eine historische Chance zu verspielen."

Ihnen zu helfen - darum ging es.

Über den Tag, an dem er die Ausreise verkünden konnte, sagt er: „Ich war tief aufgewühlt angesichts des Schicksals der Menschen vor mir. Ich war dankbar, ihnen die frohe Botschaft überbringen zu können. Es war wohl der glücklichste Augenblick meines politischen Weges. Aber auch der mit der größten Anspannung und der Sorge, es könnte doch noch etwas geschehen, was nicht voraussehbar war."

Für ihn waren die Ausreise-Verhandlungen mit der DDR-Führung ebenso schwierig wie kompliziert, da er am 20. Juli einen Herzinfarkt erlitten hatte. Nichtsdestotrotz wollte er nach New York zur UNO-Vollversammlung reisen: "Ich wollte nicht nur, ich musste es, aus einem tiefen inneren Antrieb heraus. Der Gedanke an die immer größer werdende Zahl von Flüchtlingen in der Botschaft, an ihre Hoffnungen, an ihre Verzweiflung schenkten mir Kräfte, die ich wohl sonst nicht gehabt hätte. Ihnen zu helfen - darum ging es. Schon vorher hatte ich das Ansinnen der DDR-Führung abgelehnt, unsere Botschaften zu schließen und damit den Flüchtlingen den Weg in die Freiheit zu versperren. Hier konnte es nur ein klares ‚Niemals‘ geben." 

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