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Pressespiegel: Ärztestreit um Notfallpraxen

Aachen. Kassenärztliche Vereinigung (KV) gegen Ärztekammer – in der Frage, wie in Zukunft der ärztliche Notdienst in NRW organisiert sein soll, ist es zum Zerwürfnis beider Institutionen gekommen.
Was aus den heute bestehenden Notfallpraxen wird, ist nicht mehr absehbar. Während die KV im Gebiet Nordrhein 20 von 61 Notdienstpraxen schließen will (fünf davon in unserer Region), lehnt die Ärztekammer einen solchen Schritt ab.
Beide Gremien beanspruchen die Entscheidungskompetenz in dieser Frage – und wollen davon auch nicht abrücken. Die Ursache des Konflikts liegt in den gesetzlichen Aufträgen beider Gremien.

Die KV ist vom Bund per Sozialgesetzbuch dazu verpflichtet, den ärztlichen Notdienst für alle gesetzlich Versicherten zu organisieren. Die Ärztekammer wiederum erhält durch das Heilberufsgesetz des Landes NRW den Auftrag, den Notdienst für alle Bürger zu organisieren. Nach der Notdienstverordnung sind beide dazu verpflichtet, den ärztlichen Notdienst zu organisieren.
Das war so lange kein Problem, wie KV und Ärztekammer identische Beschlüsse fassten. Doch mit der Einigkeit ist es nun vorbei, weil beide Gremien unterschiedliche Interessen verfolgen. Um das zu verstehen, muss man sich die Zusammensetzung beider Institutionen ansehen.
Während in der KV die niedergelassenen Ärzte sitzen, vereint die Ärztekammer alle Mediziner in ihrer Vereinigung. Viele niedergelassene Ärzte in der KV sind mit dem Aufwand und dem Ertrag der Notdienstpraxen nicht mehr einverstanden. Deshalb will die KV die Anzahl der Praxen reduzieren.
Im Februar entschied die Vertreterversammlung der KV Nordrhein mit großer Mehrheit, 20 von 61 Praxen im Gebiet Nordrhein zu schließen.
Die Irrläufer in der Notaufnahme
Die Versammlung der Ärztekammer Nordrhein wiederum stellte sich mit großer Mehrheit gegen diesen Beschluss, weil dort nicht zuletzt viele Krankenhausmediziner organisiert sind, die befürchten, dass die Pläne der KV zu Lasten der Krankenhäuser gehen.
 „Dort, wo eine Notfallpraxis geschlossen wird, werden die Menschen in die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses gehen“, sagt Rudolf Henke, Kammerpräsident der Ärztekammer Nordrhein. Kommt nun ein Patient mit Erkältung und Fieber in die Notaufnahme eines Krankenhauses, ist das laut Henke erheblich kostspieliger, als ginge der gleiche Patient zu einer Notdienstpraxis. „Denn die gesamte medizinische Infrastruktur, die ein Krankenhaus für jeden Patienten, der die Notaufnahme betritt, vorhalten muss, ist erheblich größer als die einer Arztpraxis“, sagt Henke.
Er hoffe, dass sich KV und Ärztekammer auf eine gemeinsame Linie einigen können. Wenn nicht, ist vieles denkbar. Rein theoretisch könnte die Ärztekammer sogar eigene Notdienstpraxen unterhalten. Das Land NRWsieht sich derzeit noch nicht zum Handeln genötigt.
Auf Anfrage unserer Zeitung verwies eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums auf die ärztliche Selbstverwaltung. Allerdings gelte für eine eventuelle Notdienstreform, dass Patienten in zumutbarer Zeit und Entfernung einen Arzt erreichen können sollten. (ben/tob)

Quelle:l Stolberger Zeitung, 25.03.2015

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