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Pressespiegel: Können wir uns Kranksein noch leisten?

Stolberg macht mobil gegen sparpläne in der Notfallversorgung. Demonstration am Montag.

Stolberg. Mehr als 1850 Mitglieder haben sich der Facebook-Gruppe angeschlossen. Der Brudermeister der innerstädtischen Schützenbruderschaft, Stefan Doncks, unterstützt das Anliegen der Bürgerinitiative ebenso wie Bürgermeister Tim Grüttemeier, das da heißt: „Notfallpraxis für die Kupferstadt Stolberg erhalten!“ Seit einigen Wochen verunsichern Pläne zur Schließung der Notfallpraxis die Stolberger. Den Sparkonzepten der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein stellt sich deshalb nun auch in der Kupferstadt ein breites Bündnis aus Bürgern, Vereinen und anderen Institutionen entgegen.

Bürgermeister TimGrüttemeier: „Schon seit November befinden wir uns von Seiten der Verwaltung und der Politik in einem intensiven Dialog mit der Kassenärztlichen Vereinigung und haben die Bedeutung der Notfallpraxis für die Menschen in Stolberg bereits nachdrücklich unterstrichen.“ Die Entscheidung zur Schließung der Notfallpraxis in der Kupferstadt als der größten Kommunedes ehemaligen Kreises Aachen sei falsch. Das zeige auch der für Montag angekündigte Protestzug, der den Druck auf die Kassenärztliche Vereinigung deutlich erhöhen werde.

Online-Petition
Die Idee für den Demonstrationszug geht zurück auf eine Initiative der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Stolberg Mitte und wird getragen von zahlreichen Vertretern der Politik und Bürgerschaft. Brudermeister Doncks hat im Netz unmissverständlich dazu aufgerufen, sich an dem Demonstrationszug zu beteiligen: „Kämpft mit für unsere Gesundheit und ein menschenwürdiges Leben, für euch und eure Mitglieder! Vor allem die älteren und kranken Menschen.“ Die Facebook-Gruppe will in ihrer Funktion als Bürgerinitiative aber auch aufklären. Deshalb versucht sie mit einer Online-Petition, für die Sonja Loher verantwortlich zeichnet, und die sich an die Kassenärztliche Vereinigung richtet, zu verdeutlichen, „warum das einfach nicht geht“, die Zahl der Notfallpraxen zu halbieren: „Ein Patient aus Stolberg hat starke Beschwerden.
 Keine KV-Notfallpraxismehr bedeutet, in die nächste Stadt fahren zu müssen. Hat jeder Mensch ein Auto? Um in die nächste Stadt zu kommen, braucht man über sieben Euro für den Bus oder die Bahn. Stellen Sie das Geld den armen und alten Menschen zur Verfügung? Verlangen Sie, wenn nachts kein Bus fährt, dass der Patient zu Fuß geht oder 50 Euro für ein Taxi aufbringen muss? Was ist, wenn er dieses Geld nicht hat? Kann er dann Sie anrufen, damit ihm geholfen wird? Oder sind wir nun gezwungen, für alles den Rettungsdienst anzurufen? Wer trägt die Kosten dafür? Sie? Sie sind Arzt geworden, um Menschen zu helfen?
Dann schließen Sie nicht die KV-Notfallpraxen! Es geht einfach nicht, dass gerade an dem Wichtigsten, was wir haben – an unserer Gesundheit – gespart wird. Vielleicht können wir zusammen den Verantwortlichen die Augen öffnen.“ Denn, so formuliert es Stefan Doncks, es gehe in dieser Diskussion auch um die Zukunft der Kinder und Enkel – und um die Frage, ob sie sich künftig Kranksein überhaupt noch leisten könnten.  

Quelle: Stolberger Zeitung, 27.02.2015

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