Notdienst-Praxis

Pressespiegel: Bald weniger Notfallpraxen in der Region?

Die Kassenärztliche Vereinigung plant eine Konzentration der Praxisversorgung im Notfall. Bezirke sollen neu strukturiert werden.

Aachen/Düsseldorf. Viele ambulante Notfallpraxen im Rheinland stehen auf der Kippe. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Nordrhein bestätigte gestern Überlegungen, das Netz der Notfallpraxen auszudünnen. Hintergrund sind Pläne, Notdienstpraxen ab 2016 in einigen Städten einzustellen oder zusammenzulegen. Konkrete Planungen gebe es aber noch nicht, sagte ein Sprecher gestern in Düsseldorf und ließ damit Informationen unbestätigt, dass etwa die Hälfte aller bestehenden Praxen im Rheinland geschlossen werden soll.

Ziel der Neuorganisation sei vor allem die Entlastung der Landärzte von Notdiensten. „Wir wollen die Dienstbelastung der Ärzte reduzieren und für die Patienten einheitliche Strukturen schaffen“, hieß es gegenüber unserer Zeitung. Ob und in welcher Zahl von der Umstrukturierung auch die zehn Notfallpraxen in unserer Region betroffen sind, ist noch offen. Zurzeit existieren im Kreis Heinsberg drei Notfallpraxen, im Kreis Düren zwei, in der Stadt Aachen eine und in der Städteregion vier Notfallpraxen – jeweils eine in Eschweiler, Stolberg, Würselen und Simmerath.

Aufregung in Eschweiler

Am kommenden Mittwoch, 11. Februar, wird die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Nordrhein über eine Reform des ärztlichen Notfalldienstes beraten und abstimmen. Bereits Ende 2012 hatte sich dieses Gremium mit Eckpunkten einer solchen Reform befasst und einen mit Ärzten besetzten Ausschuss mit der Erarbeitung eines entsprechenden Konzeptes beauftragt.
Dieser Ausschuss hat sich in den letzten Monaten mit der Organisation und der Struktur des Notdienstes befasst, unter anderem mit der künftigen Zahl und Verteilung von Notfallpraxen sowie der wirtschaftlichen Kontrolle durch die KV. Berücksichtigt wurden dabei regionale Besonderheiten und auch örtliche Arztzahlen.
Seit die Pläne bekannt wurden, ist die Aufregung vielerorts groß. Befürchtet werden lange Wege zur nächsten Notfallpraxis, besonders in Eschweiler. Dort wird befürchtet, dass Notfallpatienten möglicherweise künftig 13 Kilometer nach Würselen-Bardenberg fahren müssen, wenn sie nachts ärztliche Hilfe brauchen. Mit Unterschriftenlisten und einer Online-Petition wehren sich die Eschweiler Bürger gegen die Schließung ihrer Notfallpraxis am Krankenhaus. Die KV sagte, es gebe lediglich Überlegungen, die Notfallpraxis in Eschweiler mit der in Stolberg zusammenzulegen. In dem Fall müssten Eschweiler Bürger dann nur sieben Kilometer weit fahren.
Befürchtungen und auch Forderungen solcher Art kann Lothar Nosseck, KV-Vorsitzender der Kreisstelle Aachen, nicht nachvollziehen. „Wir reden hier über eine Stadt mit 55 000 Einwohnern.“ In anderen Regionen gebe es nur eine einzige Notarztpraxis. So sei das Medizinische Zentrum Würselen für 150 000 Einwohner zuständig. Auch in Aachen, Düsseldorf und Duisburg gebe es nur eine Praxis für Notfälle. Im Kreis Heinsberg stehen demgegenüber zurzeit noch drei Notfallpraxen an drei Krankenhäusern für rund 250 000 Einwohner zur Verfügung.
Vor diesem Hintergrund sei mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass die Kassenärzte nächste Woche eine Konzentration beschließen werden, meint Nosseck. Es gehe darum, Bezirke neu zu strukturieren und Dienste gemeinsam zu organisieren. Dennoch: Die Kassenärzte würden ganz demokratisch entscheiden, welche Praxen bleiben und welche nicht. Gegen die geplante Kürzungen sprach sich gestern der Landkreistag Nordrhein-Westfalen aus. „Im ländlichen Raummuss ein angemessen ortsnah geknüpftes Netz von Notfallpraxen erhalten bleiben“, sagte Hauptgeschäftsführer Martin Klein.
Protest kamauch vomSozialverband VdK. „Aus unserer Sicht wäre eine Ausdünnung der notfallärztlichen Versorgung die falsche Entscheidung“, sagte Thomas Zander, Geschäftsführer des VdK in Nordrhein- Westfalen, der „Rheinischen Post“. „Der Bedarf für die Versorgung wird in einer alternden Gesellschaft deutlich zunehmen.“

Quelle: Stolberger Zeitung, 05.02.2015

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