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Pressespiegel: Auch Jülicher kämpfen um ihre Notfallpraxis

Wie in der Städteregion formiert sich der Widerstand. Kassenärztlichen Vereinigung im Kreis sieht sogar „Unregelmäßigkeiten“ vor der Abstimmung.

Jülich. Die Zukunft der Notfallpraxis Jülich scheint zwar langfristig ungewiss – „bis auf weiteres droht aber keine Schließung“. Das war eine Kernaussage von Dr. Achim Dohr als Gastredner im Jülicher Rathaus am Donnerstag. Im Stadtrat informierte der Mediziner über die bedrohte Anlaufstelle für Patienten, die vor allem in den Nächten und an den Wochenenden in Anspruch genommen wird. Dohr ist vom Fach – als stellvertretender Vorsitzender der Kreisstelle Düren der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) und Aufsichtsratschef des Betreibers der Notfallpraxis Jülich: dem Gesundheitsverbund Jülicher Land. „Wir brauchen zwei Notfallpraxen im Kreis Düren“, sagte Dohr. Das sei der „Anatomie“ des langgezogenen Kreises geschuldet. Und in Jülich allein werden pro Jahr 12 000 Fälle versorgt.

Ungeachtet der geographischen Besonderheit hatte die KV auf anderer Ebene (Nordrhein) eine Reform beschlossen, wonach 21 Notfallpraxen geschlossen werden sollen, darunter die in Jülich. An diesem Beschluss hätten aber Vertreter aus dem Kreis Düren nicht mitgewirkt. Dohr sprach im Stadtrat explizit „gewisse Unregelmäßigkeiten“ an. Denn bei der Abstimmung im „Parlament“ der KV Nordrhein, der Vertreterversammlung, gab es Unterlagen, die sich die Kreisstelle Düren nicht erklären könne. Sie liegen auch unserer Zeitung vor. Diese Unterlagen zeigen eindeutig, dass ein „Ja“ zu den Plänen von der Kreisstelle vorliegen sollte. Der Vorstand in Düren hat laut Dohr in dieser Woche noch darüber gesprochen und stellt fest: „Es hat dieses Votum nie gegeben.“ Bedeutet: Die Vertreter im KV-Parlament haben über die Schließung der Notfallpraxis Jülich in der Annahme entschieden, dass der Plan von der Kreisstelle Düren abgesegnet worden ist. Dr. Dohr wurde deutlich: „Wer das behauptet, der lügt.“ Auch bei einer „Rentabilitätsbetrachtung“ sei der Betrieb der Notfallpraxis Jülich „überteuert“ dargestellt worden, weil Kosten in Höhe von 80 000 Euro eingerechnet worden seien, die da nicht hingehörten. Auch das habe das Bild verzerrt. Achim Dohr fasste im Stadtrat seine Sicht zusammen: „Eigentlich war die Abstimmung nicht rechtens.“ Ob die Kreisstelle hiergegen juristisch vorgeht, ließ der Urologe offen.
Ob die Reform umgesetzt wird, ist noch nicht klar, zumal sich auch die Ärztekammer Nordrhein dagegen ausgesprochen hat. Wenn sie kommen sollte, hat sie weitreichende Folgen. Notdienst-Patienten müssten weite Strecken zu den vorhandenen Angeboten nach Düren, Aachen (Augen) oder Köln (HNO) zurücklegen. Oder sie fahren einfach in das nächste Krankenhaus. Die Ambulanzen seien aber kaum in der Lage, diese Mengen aufzufangen. Das sei überdies die teuerste Form der Notfallversorgung, sagte Dohr. Sein Fazit: „Es kann nicht billiger werden, und die Versorgung wird schlechter.“

Quelle: Stolberger Zeitung, 30.03.2015

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